Benjamin Trinks

 

Schauspieler Benjamin Trinks zieht Parallelen zwischen dem Filmgeschäft und dem Stiftungssektor. In der Akademie für Junges Engagement sieht er enorme gesellschaftliche Entwicklungs- und Zukunftschancen.

 

 

Benjamin Trinks, Du hast über Dein Studium Public Management unsere Stiftung kennengelernt. Welchen Eindruck hat die Arbeit dieser jungen Stiftung auf Dich gemacht?

 

Auf mich hat die Stiftung und ihre Mitarbeiter von Anfang an einen professionellen und sehr engagierten Eindruck gemacht. Mich fasziniert es immer wieder, dass eine gemeinsame Idee, eine gemeinsame Vision die Menschen beruflich so verbinden kann. Letztlich ist es auch immer eine gute Möglichkeit, seine Lebenseinstellungen in den beruflichen Werdegang mit einfließen zu lassen. Ich war selbst total begeistert von der Arbeit dieser jungen Stiftung - und somit erfüllt die Stiftung ihre Aufgaben augenscheinlich ziemlich gut, nämlich junge Leute zu mehr Engagement in der Zivilgesellschaft zu bewegen. Dies zu versuchen ist sehr lobenswert, meines Erachtens aber auch notwendig.

 

Durch die Reihe "Junge Menschen und Stiftungen" hast Du neben EdB auch weitere Stiftungen, wie beispielsweise die Robert Bosch Stiftung, kennen gelernt. Gibt es etwas das Dir an der Arbeit von Stiftungen allgemein besonders gut gefallen hat?

 

Es ist die Vielfältigkeit, die einen heutzutage an Stiftungen so faszinieren kann. Mittlerweile gibt es in Deutschland tausende Stiftungen mit sicherlich genauso vielen unterschiedlichen Stiftungszwecken. Man kann sich also gezielt aussuchen, mit welcher Stiftung man sich identifizieren kann. Auf dieser Basis kann man sich dann natürlich auch beruflich, privat oder auch rein finanziell an diesen Stiftungen beteiligen, damit der Stiftungszweck auch gemeinsam verfolgt werden kann. Die vielen Möglichkeiten werden Stiftungen in Zukunft noch viel attraktiver erscheinen lassen, sei es als Arbeitgeber für die internationale Karriere oder als Möglichkeit zur lokalern Partizipation in Bürgerstiftungen. Man merkt, dass unglaublich viel Bewegung im Sektor ist und das macht es so spannend und abwechslungsreich.

 

Du bist bereits seit Deiner Kindheit Filmschauspieler. Ein Traum von vielen. Was macht das Filmgeschäft für Dich so spannend?

 

Ebenso wie der Stiftungssektor, bietet auch die Film- und Fernsehindustrie eine riesige Bandbreite an Formaten und Möglichkeiten und befindet sich ständig im Wandel. Natürlich ist der Wandel, die Weiterentwicklung unseres Filmstandorts, politisch und öffentlich gewünscht, doch darauf muss man sich auch jedes Mal neu einstellen. Dies spielt somit auch für die Erarbeitung der Filmfiguren eine wichtige Rolle. Dabei ist es einfach unglaublich spannend zu sehen, wie ähnliche Charaktere in unterschiedlichen Filmformaten funktionieren müssen und es faszieniert mich bei der Figurenarbeit an vielen kleinen Stellschrauben drehen zu können und auch zu müssen. Im Übrigen macht das die schauspielerische Arbeit am Ende ja auch erst besonders sehenswert.

 

In der viel beachteten Serie "Unsere Väter unsere Mütter", über den 2. Weltkrieg spielst Du einen jungen deutschen Soldaten der moralische Skrupel hatte, welche sich beispielsweise bei der Erschießung von Zivilisten zeigten. Wie bist Du mit der Rolle umgegangen?

 

Der 2. Weltkrieg ist natürlich ein Thema, welches durch Schulunterricht, Filme und Dokumentationen auch jüngeren Generationen allgegenwärtig ist. Trotzdem wird man selbst nie dieses Leid und den Schmerz der Kriegsgeneration nachempfinden können. Mir war es hierbei sehr wichtig, mich erstmal von sämtlichen historischen Daten zu lösen, da die Figur besonders unter dem Einfluss der nationalsozialistischen Propaganda stand und auch den Ausgang des Krieges nicht kennen konnte. Für die Figur zählte damals nur Nazideutschland und der Sieg über den erklärten Feind. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass es sich um sehr junge Männer handelt, die fernab der vertrauten Heimat unter schlimmsten Bedingungen schon viele grausame Dinge durchleben mussten. Dieser anfängliche Enthusiasmus, der dann schnell in Verzweiflung und Resignation umschlug, war am Ende mein Schlüssel zur Figur.

 

Allgemein: wie entwickelst Du die Interpretation eigener Rollen? Welche Werte spielen hierbei für Dich ein Rolle?

 

Zuallererst gibt das Drehbuch einem einen gewissen Rahmen vor, in dem sich die Rolle bewegen kann. Alles was darüber hinaus geht, ist natürlich Interpretationsspielraum für den Schauspieler. Ich schaue mir die Figuren sehr genau an und überlege, was möchte die Person überhaupt, warum handelt sie auf eine bestimmte Weise. Ich versuche mich also über die tieferen Beweggründe einer Rolle zu nähern. Jede Figur hat dabei natürlich ganz andere Werte und Vorstellungen von ihrem Umfeld und der Gesellschaft und geht mit ihr so auch entsprechend anders um. Die Grundwerte entfalten sich dabei automatisch, Stück für Stück bei der Erarbeitung der Figuren.

 

Wie Du weißt, setzt unsere Stiftung auch künstlerische Mittel als einen Aspekt ihrer pädagogischen Arbeit ein. Wie siehst Du die Möglichkeiten der Verbindung zwischen Kunst und Pädagogik?

 

Das Potential dieser beiden Gebiete schätze ich kombiniert sehr hoch ein, finde jedoch, dass hier noch erhebliches Ausbaupotential, speziell in Schulen besteht. Insbesondere jungen Menschen kann man sich über die Kunst nähern, denn gerade Jugendliche engagieren sich in ihrer Freizeit künstlerisch z.B. als Mitglied einer Band, in Theatergruppen oder beim Organisieren gemeinsamer Galerien und Kunstausstellungen. Dies ist natürlich auch eine Form der Zivilgesellschaft; also bürgerschaftliches Engagement, das es zu nutzen gilt, damit ein größtmöglicher gesellschaftlicher Nutzen daraus gewonnen werden kann.

 

Mit der Akademie wollen wir zusammen mit jungen Menschen für junge Menschen einen Raum schaffen, der es ermöglicht gemeinsam gesellschaftlich relevante Ziele zu entwickeln und zu verwirklichen. Welches Zukunftspotential siehst Du in dem Projekt?

 

Gerade weil es noch nicht viele solcher Projekte gibt, sehe ich für beide Seiten enorme Entwicklungs- und Zukunftschancen. Junge Menschen können sich in verschiedenen Modulen und Workshops mit der Stiftungsarbeit auseinandersetzen. So gehen wertvolle Ideen und Konzepte für unsere Gesellschaft nicht verloren, da die Akademie jungen Menschen eine Plattform bietet, in der sie sich verstärkt einbringen, Ideen diskutieren und verbessern können.

Insbsondere junge Menschen in schwierigen Situationen finden in der Akademie viele Möglichkeiten. So bietet sich hier ein toller Raum, die eigene Persönllichkeit weiter zu entwickeln, an eigenen Ideen festzuhalten und diese zu verwirklichen. Auch die Mitarbeiter können von dem ständigen Austausch profitieren und sich stetig weiterentwickeln. Stillstand ist für Organisationen immer problematisch. Somit ist natürlich auch die Akademie selbst Gegenstand von Weiterentwicklung, Kritik und Diskurs.

 

Welche Rolle spielt die Entwicklung einer persönlichen Vision für Dich in Deinem Leben?

 

Visionen können einen unglaublich motivieren, sich noch stärker für seine Ziele einzusetzen. Es gibt einem ein inneres Antriebsgefühl und dieses Gefühl nimmt man dann mit in seine tägliche Arbeit. Man muss es schaffen, eine Vision in Motivation umwandeln zu können.

 

Was rätst Du anderen für eine authentische und sympathische Interpretation der eigenen Rolle in unserer Gesellschaft?

 

Zuallererst sollte man sich in einer ruhigen Minute hinsetzen und überlegen, welche Rolle man in der Gesellschaft einnehmen möchte. Einige haben großes Interesse daran, sich selbstlos für Mitmenschen zu engagieren, andere eher weniger. Das kann von Person zu Person unterschiedlich sein und sollte stets auch so respektiert werden, schließlich kann niemand zu freiwilligem Engagement gezwungen werden. Das wichtigste ist, dass man seine persönlichen Werte und Einstellungen mit seinem Handeln in Einklang bringt, nur so kann man die Dinge auch mit Freude machen. Sobald die Freude in den Handlungen mitschwingt, ist eine authentisches Auftreten immer möglich, weil es dann einfach "wahre" Freude am Engagement ist. 

 

Was sind Deine Ziele in schauspielerischer und gesellschaftlicher Hinsicht für die nächsten Jahre? Hast Du beispielsweise Interesse an einer Zusammenarbeit mit Stiftungen?

 

Stiftungen waren für mich schon immer ein sehr interessantes Feld. Im Jahr 2013 habe ich mir eine kleine Auszeit vom Filmgeschäft genommen, auch um mich in diesem Jahr mal mit ein paar anderen Themen zu beschäftigen. Ich habe mich beispielsweise auf meinen Abschluss im Fach "Public and Nonprofit Management" konzentriert und somit auch den Stiftungssektor näher kennengelernt. Allein die zunehmende Zahl solcher Studien- und Bildungsangebote zeigt, dass das Potential in diesem Bereich enorm hoch ist. Trotzdem wird mein Mittelpunkt auch in Zukunft die Schauspielerei bleiben. Das soll aber nicht heißen, dass eine Kooperaton mit Stiftungen ausgeschlossen ist. Ich werde versuchen, mich auch in Zukunft privat im Rahmen von Stiftungsarbeit zu engagieren und vielleicht gibt es ja auch mal berufliche Schnittpunkte z.B. bei der Realisierung eines professionellen Stiftungs-Films oder Ähnliches. Im schauspielerischen Bereich bin ich natürlich immer auf neue Herausforderungen gespannt, wobei man natürlich nie vergessen darf, dass jedes Filmprojekt in dieser Branche ein großes Geschenk ist, welches ich immer wieder zu schätzen weiß.

 

 

 

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